Erich Satter Philosoph

Leseprobe

"Geschichte der FGW"

Bei der Aufteilung des weltlichen Fürstentums des Erzbischofs von Mainz, kam der rechtsrheinische Rheingau, - nach dem Augsburger Religionsfrieden katholisch wie sein Landesherr, - zum protestantischen Nassau. Damit ergaben sich in diesem bislang rein protestantischen Gebiet weitreichende Folgerungen.

Am 24.3.1813 wurde das Schuledikt erlassen, das die Simultanschule zum Inhalt hatte.

Am 1./2.9.1814 wurde ein Edikt erlassen, das die vollkommenste Duldung religiöser Meinung und freie Übung jedes Gottesdienstes vorschrieb.

1817 wurde durch Bemühung des Herzogs Wilhelm von Nassau die Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche erreicht.

Vom 18.8. bis 6.10.1844 wurde auf Veranlassung des Bischofs Arnoldi zu Trier eine Ausstellung des "Heiligen Rockes" durchgeführt. Diese Ausstellung war Grund eines Protestschreibens des katholischen Priesters Johannes Ronge. Dieses Schreiben wurde in den >Sächsischen Vaterlandsblättern< veröffentlicht, deren Herausgeber der später in Wien erschossene Robert Blum war.

Der Erfolg war nicht vorauszusehen, denn überall bildeten sich freie Gemeinden aus der Katholischen Kirche heraus und diese nannten sich zum Unterschied "Deutschkatholische" Gemeinde.

Dieser Entwicklung ging eine Bewegung aus der Evangelischen Kirche voraus, die besonders im mitteldeutschen Raum Fuß fasste, die protestantischen "Lichtfreunde", geführt von ehemals evangelischen Pfarrers. Bereits am 8.3.1845 erfolgte in Wiesbaden die Gründung der >Deutschkatholischen Gemeinde<. Kurze Zeit später erfolgte auch die Gründung der Gemeinden in Idstein, Rüdesheim, Hachenburg, Dillenburg, Haiger und Diez. [...] Am 31.3.1915 trat Prediger Welker wegen des Alters zurück und am 1.4.1915 wurde der Prediger Gustav Tschirn eingestellt. Dieser war vorher in der gleichen Position bei der Gemeinde Breslau angestellt. [...] Am 28.1.1921 erfolgte die Namensänderung der Wiesbadener Gemeinde. Der bisherige Namen >Deutschkatholisch< wurde zu Gunsten des Namens >Freireligiös<, d. h. frei in der Religion, umgeändert um den Mitgliedern entgegen zu kommen, die aus der evangelischen Kirche zu uns gestoßen waren. Die Feierstunden am Sonntagmorgen fanden im Rathaussaal statt, während die kleinen Sitzungen und Vorträge im Seitenbau unseres Gemeindehauses Rheinstraße 83 stattfanden.1931 starb Gustav Tschirn anlässlich der Bundestagung in Leipzig. Seine Asche wurde nach hier überführt und zu seinen Ehren ein Denkmal im Garten des Hauses Rheinstraße 83 errichtet, in welches die Urne eingemauert wurde.

Am 20.11.1934 erfolgte das Verbot der Gemeinde durch den preußischen Ministerpräsidenten und Chef der Gestapo, Hermann Göhring. Das gesamte Vermögen wurde beschlagnahmt und konnte mit Ausnahme der unbeweglichen Güter nicht mehr aufgetrieben werden. [...]

1998 wurden die freireligiösen und unitarischen Gemeinschaften von einer beispiellosen Rufmordkampagne heimgesucht. Ein offenbar an einer Obsession leidender, dem Anschein nach evangelikaler Fundamentalist, sah bei allen Kirchenfreien germanophilie Hintergründe. In seiner kognitiven Beschränktheit unterstellte er Pantheisten, Agnostikern und Atheisten gleichermaßen, so auch den Freireligiösen und mehr noch den Unitariern, rechtes Gedankengut.

Seine denunziatorische Angriffe richteten sich dabei hauptsächlich auf freireligiöse Sozialdemokraten, wohl aus Enttäuschung über einen misslungenen Karriereversuch in dieser Partei. Ohne den geringsten Realitätsbezug beschimpfte er gar den über allen Zweifel erhabener Ehrenvorsitzenden der Gemeinde Wiesbaden, Erich Satter, als Neonazi, nur weil dieser mit seiner Autorität als engagierter Antifaschist und bekennender Linksliberaler, die unitarischen Freunde vor unberechtigten Angriffen in Schutz nahm und mit analytischer Beweisführung seine debilen Anschuldigungen entkräftete.

Das wissenschaftliche Gutachten von Prof. Dr. Dr. Ernst Benz (siehe Anlage 1) widerlegt ebenfalls solche Unterstellungen.

Der gesamte unerfreuliche Vorfall ist paradigmatisch für den Missbrauch von Pressefreiheit. War im vergangenen Jahrhundert die Geistesfreiheit noch durch zu wenig Information eingeschränkt, wird sie gegenwärtig möglicherweise durch zuviel an Halbwahrheiten und gezielter Falschinformationen behindert.

Der amerikanische Psychologe Neil Postman prägte für dieses Phänomen den Begriff "kulturelles AIDS", wörtlich führt er dazu aus: "Trotz moderner Informationstechnologie bleibt die Welt für die meisten Menschen unverständlich. Viele reagieren auf die Info-Flut mit Verunsicherung. Wir leiden heute unter kulturellem Aids, weil das menschliche Informations-Immunsystem nicht mehr funktioniert". Ein hoher Preis für die Pressefreiheit, deren Missbrauch der Gesetzgeber leider nicht immer verhindern kann, was gerade deren Vorkämpfer, - zu denen auch die Freireligiösen zählen, - schmerzlich zu spüren bekamen.

Das gesamte Problem in diesem speziellen Fall brachte bereits das katholische Wochenmagazin "Publik Forum" 1990 auf den Punkt, wenn es in seiner Nr. 5 schreibt: "Einem, dem [...] jegliche Sicherungen durchgebrannt sind, ist der Bonner Publizist Peter Kratz. Die Welt, wie Kratz sie sieht und in seinen Veröffentlichungen beschreibt, ist durchzogen von einem neofaschistischen Spinnennetz [...] Kratz´ denunziatorisches Engagement kann man nicht auf sich beruhen lassen. Denn Kratz, der mit seinen historisch und politisch unhaltbaren Thesen immer wieder in die Öffentlichkeit geht, fügt jeglicher sachkundigen Auseinandersetzung mit dem Neofaschismus schweren Schaden zu, indem er die Auseinandersetzung auf falsche Schauplätze verlagert und in die Schlammkiste greift".

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